Dissertation

Skandinavier unterwegs in Europa (1000–1250).
Untersuchungen zu Mobilität und Kulturtransfer
auf prosopographischer Grundlage

Erschienen im Akademie-Verlag

Die Arbeit vertritt die These, dass die erhöhte Mobilität, die im Hochmittelalter festgestellt werden kann, auch einen Beitrag zur Europäisierung Skandinaviens leistete. Im Zentrum steht dabei die Frage, welchen aktiven Anteil die Skandinavier – oder besser gesagt: diejenigen von ihnen, die eine Fernreise unternahmen – an diesem Integrationsprozess hatten. Um einen Überblick zu erlangen und weitere Forschungen zu ermöglichen, wurde ein prosopographischer Zugriff gewählt. Die Sammlung aller in nordeuropäischen und sonstigen Quellen überlieferten Personen, die aus Skandinavien stammen und es mindestens ein Mal verlassen haben, ergab einen Katalog von 855 Personen, 617 Reisen und 1152 Reiseteilnahmen. Zu jeder Person (ausgenommen 128 Reisende, die an größeren Unternehmungen teilnahmen) wurde ein Biogramm erstellt, in dem die wichtigsten Lebensdaten, Verwandtschaftsverhältnisse und sämtliche Reisen aufgeführt werden. Die Prosopographie diente als Grundlage für eine vergleichende Analyse, zu der Fragen nach Reiseintentionen und bevorzugten Zielen gehören. Die in den Quellen gefundenen Wege und Stationen der Reisenden wurden abgeglichen mit einem ausführlichen Itinerar des isländischen Mönchs Nikulás von Munkažverá, der um 1150 eine Reise nach Rom und Jerusalem durchführte und darüber einen ausführlichen Bericht in altnordischer Sprache verfasste.

Ein weiterer Abschnitt der Arbeit untersucht, welche kulturellen Transferleistungen durch die Reisen angestoßen wurden: Wer bringt welche Eindrücke, Gegenstände oder Ideen von woher mit, und welche Auswirkungen hatte das auf sein Lebensumfeld? Diese Fragen ließen sich schwerlich an alle in der Prosopographie aufgeführten Personen herantragen, auch weil in den meisten Fällen die Quellenlage nicht ausreicht, um zu gesicherten Erkenntnissen zu kommen. Deshalb wurde mit dem norwegischen Erzbischof Ųystein Erlendsson ein Fallbeispiel zur Untersuchung des Kulturtransfers gewählt. Der Ansatz des Kulturtransfers stößt zwar an seine Grenzen, da für eine möglichst genaue Rekonstruktion der Transfervorgänge nur selten Quellen in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen – zumindest in dem hier abgesteckten räumlichen und zeitlichen Rahmen. Er schärft aber gleichwohl den Blick für eigenständige Adaptationen und für die Rekontextualisierung des Transferierten – und lässt damit die Leistung der Vermittler deutlicher hervortreten.

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